Japanischer Staudenknöterich

Auszug aus dem Abschlussbericht Fallopia-Projekt 2010 NABU-Kreisverband Freiberg

1. Aufgabenstellung/Vorbetrachtungen

Im Stadtgebiet von Freiberg inklusive seiner Ortsteile Kleinwaltersdorf, Halsbach und Zug wurden seit 2006 vom NABU-Kreisverband Freiberg Standorte ermittelt und kartiert, welche mit Japanischem Staudenknöterich (Fallopia japonica) bzw. Sachalin-Staudenknöterich (Fallopia sachalinensis) kontaminiert sind. Ziel der Maßnahme war die möglichst umfassende Erfassung aller Pflanzenstandorte sowie deren Beseitigung.
Die Ergebnisse der Kartierung wurden in entsprechendem Kartenmaterial dargestellt. Die fortlaufende Bearbeitung der Flächen wurde dabei taggenau dokumentiert.

Es wurden folgende Parameter aufgenommen:
  • Bezeichnung der Fläche/Teilfläche und deren Lage
  • Flurstücksnummer
  • Ansprechpartner
  • Flächengröße
  • Bestandsdichte (Pflanzen/m²)
  • Biotoptyp, Flächennutzung und Beschattung
Die Bekämpfung der Fallopia-Bestände wurde im Zeitraum von 5 Jahren durch sechs teils wechselnde gering Beschäftigte (1,50 Euro-Jobber) realisiert. Angeleitet wurden sie von einem jährlich wechselnden Projektbetreuer.

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Eine Versuchsfläche in Kleinwaltersdorf im September 2006.

2. Zur Problematik des Staudenknöterichs als invasivem Neophyt

Die beiden Fallopia-Arten stammen ursprünglich aus Nordost-Asien und breiten sich seit ihrer Einschleppung im 19. Jahrhundert überall in Europa aus. Vor allem der Japanische Staudenknöterich setzte sich dabei aufgrund seiner außergewöhnlichen Wuchskraft und Robustheit erfolgreich gegen die heimische Pflanzenwelt durch. Diese oft großflächige Verdrängung der natürlichen Flora, teilweise sogar die fast vollständige Überwucherung ganzer Uferabschnitte entlang nahezu aller sächsischen Fließgewässer, ist aus Sicht des Naturschutzes als sehr problematisch anzusehen.
Durch die bevorzugte Besiedlung von Bahndämmen und Uferböschungen, die vom Wurzelwerk des Staudenknöterichs eher zerstört als gesichert werden, richten die Staudenknöterich-Arten aber auch volkswirtschaftlichen Schaden an. Die Verbreitung des Staudenknöterichs erfolgt vor allem durch Erdarbeiten und Kompostierung von Gartenabfällen, bei denen Bruchstücke von oberirdisch und unterirdisch wachsenden Trieben meist unwissend auf neue Standorte oder Deponien verbracht werden. Auch kleinste Teilstücke bewurzeln sich und können binnen weniger Jahre Dauer wieder große Bestände bilden.
Eine Bekämpfung stellt sich als sehr aufwändig dar. Da der Energievorrat der Pflanze vor allem in den Rhizomen steckt, wachsen die Pflanzen über Jahre immer wieder nach, wenn im Boden Triebstücke zurückbleiben. Daher kann nur eine konsequente und langjährige Bearbeitung der Fallopia-Standorte zu einer Zurückdrängung führen. Zu beachten ist außerdem unbedingt, dass Rhizomteile nicht etwa durch Geräte oder mit Erdaushub weiter verbreitet werden.

3. Bekämpfungsmethoden

Die entsprechenden Standorte wurden während der Vegetationszeit im zwei- bis dreiwöchigen Rhythmus mittels Freischneider (Motorsense) oder manuell mit Sichel gemäht. Um die begleitende Flora zu begünstigen, wurden gerade bei kleineren Vorkommen einzelne Pflanzen mit der Gartenschere selektiv entfernt bzw. mittels Unkrautstecher ausgestochen oder auch einfach heraus gezogen. Dabei wurden die Rhizomteile eingesammelt. Außerdem wurden im September beginnend an mehreren Standorten die Knöterichwurzeln komplett (so weit es möglich war) ausgegraben. Dabei wurden bis zum Ende der Maßnahme 620 kg Wurzeln (entspricht ca. 60 Müllsäcken) ausgegraben, zwischengelagert und anschließend in die Verbrennung gegeben. Nur durch die Verbrennung ist eine wirkliche Vernichtung der Rhizome gewährleistet. Dabei sind wir uns durchaus darüber bewusst, dass auch an diesen Standorten in den Folgejahren wahrscheinlich wieder Fallopia-Pflanzen wachsen werden. Eine hundertprozentige Ausmerzung der Standorte ist sehr schwer und nur über einen längeren Zeitraum zu erreichen.

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Fallopia-Bestand in der Silberhofstraße, Nähe Möbelbörse, (Fläche 107A) vor der Bearbeitung im Jahr 2006.

4. Projektverlauf

4.1 Die Jahre 2006 bis 2009
Die Anzahl der bearbeiteten Flächen hat sich während des Bearbeitungszeitrums von 5 Jahren (mit Ausnahme von 2009) stets erhöht (siehe Tabelle 1). Gründe sind zum einen das Auffinden neuer Standorte als auch die Kartierung neuer Teilstandorte. Außerdem fehlte im Anfangsjahr für manche Flächen noch die Genehmigung zur Bekämpfung des Staudenknöterichs. Die Bearbeitung wurde im 2- bis 3wöchigen Rhythmus durchgeführt und lag meist bei 8 bis 10 Zyklen pro Jahr.
Einige Flächen wurden jedoch seltener bearbeitet. Dies war der Fall, wenn die Pflanzen kaum nachgewachsen waren oder durch die Flächenbesitzer oder öffentliche Stellen bereits gemäht wurden.

Tabelle 1: Anzahl der bearbeiteten Flächen

Jahr 2006 2007 2008 2009 2010
Zahl der bearbeiteten Flächen 162 215 268 246 286
4.2 Datenerfassung, Kartierung und Bekämpfung 2010
Im Jahr 2010 wurden insgesamt ca. 390 Standorte kartiert. 286 Standorte davon wurden meist im 2- bis 3wöchigen Rhythmus intensiv bearbeitet. Dabei handelt es sich zum Großteil um Standorte, die bereits seit 2006 bzw. 2007 in Bearbeitung sind. Teilweise sind neue Teilstandorte kartiert worden, die in die Bearbeitung mit aufgenommen worden sind. Auch sind einzelne neue Standorte kartiert worden, die noch wenig etabliert waren und sich so leicht bekämpfen ließen.

5. Auswertung, Zusammenfassung

Nach Abschluss des Bearbeitungszeitraumes von 5 Jahren kann bei einem Großteil der Fallopia-Standorte eine Abnahme der Flächengröße, vor allem aber der Bestandsdichte verzeichnet werden. Mehr als 20 Vorkommen sind gänzlich erloschen, teilweise jedoch bedingt durch Überbauung der Standorte. Durch die fortwährende Mahd der Flächen und damit dem Entzug von Phytomasse und einer deutlichen Verminderung der Blattoberfläche (geringere Photosyntheseleistung), konnte eine deutliche Schwächung der Pflanzen erzielt werden. Zudem konnte sich auf den ehemals ausschließlich von Staudenknöterich bewachsenen Flächen eine vielfältige, standorttypische Begleitflora einstellen, die ihrerseits wiederum zu einem natürlichen Konkurrenten für die bereits geschwächten Fallopia-Bestände geworden ist. Die erfolgte Beschattung durch die konkurrierende standorttypische Flora beschränkt dabei zusätzlich den vitalen Austrieb der Fallopia-Bestände und führt zu einer Rückdrängung dieser, wie man unter anderem sehr gut am Beispiel einer Versuchsfläche in Kleinwaltersdorf sehen kann. Nicht zuletzt konnte durch die Rodung der Rhizome viele Knöterichvorkommen in ihrer Ausbreitung eingedämmt werden.
Einige Flächen weisen allerdings auch eine Ausweitung auf. Diese beruht auf dem Fluchtverhalten der Pflanze, das heißt, dadurch dass der Pflanze in einem Bereich zugesetzt wird, erhöht sie ihr Wurzelwachstum. Es entstehen Ausläufer, die einige Meter entfernt erneut austreiben. Allerdings lässt sich auch auf diesen Standorten eine Abnahme der Bewuchsdichte nachweisen.

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Mäharbeiten im September 2006 in der Berthelsdorfer Straße/Frauensteiner Straße (Fläche 60).
Fotos: KV Freiberg e. V.

6. Ausblick

Aus fachlicher Sicht ist es empfehlenswert, die Bekämpfungsmaßnahmen weiterhin fortzuführen. Derzeit ist ein guter Bearbeitungsstand erreicht. Die Bestände sind allgemein geschwächt und eine Rodung der Rhizome ist, anders als an unbearbeiteten Standorten, teils relativ leicht möglich.
Bei ausbleibender Bearbeitung ist zu befürchten, dass sich eine Vielzahl der Fallopia-Standorte nach ein bis zwei Jahren wieder erholt haben werden und die bereits entwickelte artenreiche und standorttypische Flora wieder zurückgedrängt wird. Die Stadt Freiberg, andere Grundstückseigentümer sowie Naturschutzverbände sind auch weiterhin zu einer Kontrolle und Bekämpfung der Staudenknöterich-Vorkommen aufgerufen. Insbesondere in ökologisch wertvollen Biotopen ist eine weitere Bekämpfung des Staudenknöterichs unbedingt anzuraten. Hier wären eventuell ehrenamtliche Arbeitseinsätze, mindestens drei- bis viermal pro Jahr, vorstellbar.

Außerdem sollten ehemals auffällige Standorte weiterhin beobachtet werden, damit sich hier keine Bestände wieder etablieren können. Aber auch auf Flächen ehemaliger Baumaßnahmen ist möglicherweise ein erneutes Auftreten des Staudenknöterichs zu erwarten.
Eine leistungsfähige natürliche Umwelt mit artenreichen und standortgerechten Biotopen ist ein Naturschutzziel, das uns allen am Herzen liegen sollte.

Freiberg, 21.02.2011 Bericht erstellt von Eckehard Wille.