Ein Schutzprogramm für das Rebhuhn



Das Rebhuhn, ein Charaktervogel der Feldflur, ist ein Musterbeispiel für einen Kulturfolger. Erst die umfangreichen Rodungen für die Landwirtschaft haben ihm die Ausbreitung bei uns ermöglicht. Es liebt ein vielfältiges Nutzungsmosaik und den damit verbundenen Grenzlinienreichtum, der mehr und mehr verlorengeht. Früher konnten in idealen Gebieten auf 100 Hektar 100 Rebhuhnpaare existieren. Heute ernähren 100 Hektar kaum mehr ein einzelnes Paar. Und die Zahl der Rebhühner nimmt weiterhin ab. Infolge der Modernisierung und Intensivierung der Landwirtschaft ist unsere Landschaft erschreckend verarmt. So ist der einstige „Einwanderer“ aus vielen Gebieten schon wieder „ausgewandert“. Auch aus dem Landkreis Aue-Schwarzenberg ist das Rebhuhn, einst verbreitet bis in die Kammlagen, weitgehend verschwunden. Nur eine kleine Population im Umfeld von Schneeberg und Zschorlau hat bis heute überlebt.
Diese katastrophale Entwicklung war Anlass für den NABU-Kreisverband Aue-Schwarzenberg e. V. und den Landschaftspflegeverband Westerzgebirge, das „Rebhuhnschutzprojekt Westerzgebirge“ ins Leben zu rufen. Es werden Maßnahmen durchgeführt, die dem Rebhuhn Brutplätze, Deckung, Schutz vor Witterungsunbilden und reichlich Nahrung sichern und auch vielen weiteren Arten der Feldflur helfen sollen.

Solche Maßnahmen sind:

  • Anlage von Strauchgruppen und schirmwüchsigen Niederhecken (seit 1994)
  • Biotopverbesserungsmaßnahmen (seit 1997) auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche mit Hilfe der Landwirte, die für ihren Mehraufwand und die Ernteverluste eine angemessene Vergütung erhalten
  • Brachestreifen, die entweder mit einer speziellen Saatgutmischung dünn eingesät oder sich selbst überlassen werden
  • Ackerrandstreifen, die nicht gedüngt und gespritzt werden dürfen und deshalb reich an Ackerwildkräutern und Insekten sind
  • Stoppelbrache und Zwischenfruchtanbau. Durch Stehenlassen über den Winter bleiben Deckung und Nahrung auch in dieser schweren Zeit erhalten
  • Schaffung von Rebhuhnschutzkomplexen
Im Jahr 1999 konnte im Rahmen einer Ausgleichsmaßnahme für ein Wohnungsbaugebiet ein 6 Hektar großer Rebhuhnschutzkomplex geschaffen werden. Auf einem Hektar wurden Hecken, Heckensäume und Raine angelegt, 5 Hektar wurden in Ackerland umgewandelt, das kleinflächig, strukturreich und naturverträglich (keine Mineraldüngung, keine Pflanzenbehandlungsmittel) in Zusammenarbeit mit einem Nebenerwerbslandwirt bewirtschaftet wird. Im nächsten Jahr soll ein weiterer Rebhuhnschutzkomplex geschaffen werden.
Derartige Bemühungen können dazu beitragen, das Artenpotential im Agrarraum, wenn auch in geringer Dichte, zu erhalten und Erfahrungen mit einer naturverträglicheren Landbewirtschaftung und deren Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt in der Region zu sammeln.
Rettung für das Rebhuhn und viele weitere Arten der Feldflur kann dies nur dann bringen, wenn einschneidende, längst überfällige Veränderungen in der Agrarpolitik hin zu einer natur- und umweltverträglicheren Landwirtschaft durchgeführt werden.

Erste Hoffnungsschimmer gibt es. Das im Rahmen der Entwicklungspläne für den ländlichen Raum in Sachsen entstandene Programm „Naturschutz und Erhalt der Kulturlandschaft (NAK)“ bietet bessere Möglichkeiten (naturschutzgerechte Ackerbewirtschaftung, Anlage von Zwischenstreifen auf Ackerland, Anlage von Ackerrandstreifen) zum Schutz von Rebhuhn und weiteren Arten der Feldflur als die früheren Kulturlandschaftsprogramme. Entscheidend wird sein, inwieweit es gelingt, dieses Programm und auch andere Schutzmöglichkeiten möglichst umfassend zur Anwendung zu bringen. Dazu sollen die Landwirte gezielt angesprochen, informiert und zur Mitarbeit angeregt werden. Der Kreisverband des NABU und der Landschaftspflegeverband werden auch weiterhin versuchen, einen wichtigen Beitrag dazu zu leisten, damit hoffentlich auch in Zukunft in der Feldflur des Westerzgebirges nicht nur das monotone Geräusch von Traktoren und Mähdreschern, sondern auch der abwechslungsreiche Gesang der grazilen Feldlerche und das „Girhäk“ des Rebhuhns zu hören sind.