Naturschutzgerechte Beweidung in Zschorlau



Eine Möglichkeit, Grünland der offenen Kulturlandschaft zu erhalten, ist die Nutzung als Extensivweide, die als nachhaltige, kreislauforientierte Form der Landnutzung eine größere Wertschätzung verdient. Seit 1996 werden 12 Hektar Grünland in Zschorlau zur extensiven Beweidung durch Mutterkuhhaltung mit Schottischen Hochlandrindern genutzt. Die Tiere wurden dankenswerter Weise vom Landesverband des NABU Sachsen aus dem Nachwuchs im Beweidungsprojekt „NSG Wölperner Torfwiesen“ zur Verfügung gestellt. Die Fläche ist zusammenhängend, Teilflächen sind auf Grund der intensiven Nutzung in der Vergangenheit noch sehr nährstoffreich und wüchsig, andere Bereiche wurden immer relativ extensiv genutzt und sind zum Teil geschützte Biotope. Die Bewirtschaftung der Flächen erfolgt über größere Standweiden, Mähweiden sowie reine Mähwiesen zur Heuwerbung und wird möglichst abwechslungsreich gestaltet. Auf den ortsnahen Flächen stehen die Tiere dann auch im Winter.

Moderne Extensivweiden sind mit herkömmlichen Weiden nicht vergleichbar. Das bei vielen Naturschützern verbreitete „Feindbild“ Intensivweide hat hier keine Berechtigung. Durch den Verzicht auf stickstoffhaltige Mineraldünger und Gülle, den geringen Besatz und die durch Fraß, Tritt und Dung entstehende hohe Strukturvielfalt kommt es zu artenreichen Lebensgemeinschaften. Auch kann bei extensiven Rinderweide-Systemen mit geeigneten Rassen und bei gutem Weidemanagement davon ausgegangen werden, dass die Artenpotentiale schützenswerter Wiesen (Gesellschaften des Feuchtgrünlandes bis hin zu Halbtrockenrasen) weitgehend erhalten werden können, wenn auch in anderer Kombination und Dichte. Außerdem kann durch Kombination von Weideflächen mit Mähweide und reinen Mähwiesen für die Heuwerbung auch zum Erhalt wertvoller Wiesen beigetragen werden. Ebenfalls hoch bewertet werden sollte, dass bei dieser Art der Mutterkuhhaltung auf eine sehr tierartgerechte Weise Fleisch erzeugt wird, da die Herdenmitglieder ihren Bewegungsdrang und ihr Sozialverhalten voll ausleben können.

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Highland-Rinder auf der Weide.
Foto: NABU Archiv


Die Förderung erfolgte anfangs über das Kulturlandschaftsprogramm (KuLAP) und seit 2001 über das Programm „Naturschutz und Erhalt der Kulturlandschaft“ (NAK). Die Verbände glauben, dass besonders in landwirtschaftlich benachteiligten Regionen die Extensivweide mit Rindern eine geeignete Form der Landnutzung ist, die trotz der Berücksichtigung der Belange des Naturschutzes wirtschaftlich tragfähig sein kann (Fördermittel, Verkauf von Zuchttieren, Vermarktung von Qualitätsfleisch). Das Projekt in Zschorlau stellt die Basis für weitere Projekte im Westerzgebirge dar und ist sozusagen die Kinderstube und Heimat für die Schottischen Hochlandrinder. Durch die mittlerweile geschaffenen Voraussetzungen (Winterweiden mit mehreren Unterständen, Fixier und Fangeinrichtungen, Gebäude für Lagerung von Heu, Technik) sind gute Voraussetzungen für die Überwinterung der Tiere im Freien und die Durchführung der vorgeschriebenen veterinärmedizinischen Untersuchungen vorhanden.

Bei seinen Beweidungsprojekten hat sich der NABU für das Schottische Hochlandrind (Highland Cattle) entschieden, weil es zu den für Extensivweiden geeignetsten Rinderrassen zählt und auch für extreme Standorte geeignet ist. Es ist sehr klein und leicht und in Bezug auf Futter sehr anspruchslos, äußerst robust und wetterhart, kalbt leicht und ist kaum anfällig für Krankheiten. Eine ganzjährige Freilandhaltung ist problemlos möglich, ja sogar erforderlich. Beim NABU Aue-Schwarzenberg ist man nach fünf Jahren mit eigener Erfahrung sehr froh über diese Wahl, denn die Rinder machen ihrem Ruf alle Ehre. Bei dieser Rasse kommt auch viel Ruhe und Gelassenheit – auch bei den Bullen – hinzu, die bei den Umtrieben und Transporten sehr von Vorteil ist. Außerdem sind sie durch ihr Aussehen eine Attraktion, auch für Kinder und Jugendliche, und dies ist nicht unerheblich für die Beurteilung der Schutzprojekte bei den Kommunen und in der Bevölkerung.