„Bioexkursion Klassen 6 zu Wald und Wiese in die Naturschutzstation Herrenhaide“

12./13. September 2017

Johanniskraut – eine Pflanze mit heilender und im Speziellen sogar mit lebensrettender Wirkung

An den genannten zwei Tagen hatten alle vier Klassen 6 ein Ziel: Wanderung nach Herrenhaide und in drei Gruppen jeweils das Wissen zu Wald, Wiese und Fledermäusen vertiefen. Herr Nötzold vom NABU, der Revierförster und ich als ehemaliger Biolehrer hatten die Aufgabenbereiche vorbereitet, um den Schülern beim Ausfüllen der Arbeitsblätter die richtigen Informationen zu liefern.

Am ersten Tag konnten wir unsere Rundgänge sogar bei Sonnenschein absolvieren und hatten das Glück, eine Eidechse, eine Blinschleiche und die Schmetterlinge Kohlweißling, Tagpfauenauge und sogar den Admiral zu beobachten. Wir haben heimische Pflanzen in eine Tabelle zu den Schichten des Waldes eingetragen und vor Ort den Unterschied zwischen Tanne und Fichte herausgearbeitet. Auch nach Exoten wurde im Arbeitsblatt gefragt und so haben wir Sumpfzypresse und Mammutbaum betrachtet und notiert. Die Aufgabe zu Pflanzenfamilien war schwieriger, da die meisten Schmetterlings-, Lippenblüten- und Kreuzblütengewächse nicht mehr blühen.
Aber zumindest die Frage nach im Gebiet vorkommenden Heilpflanzen konnten wir beantworten. Wir haben Spitzwegerich, Rainfarn und Johanniskraut gefunden. Und auch eine für Herrenhaide so typische Wiesenpflanze zählt zu den Heilpflanzen. Eine große Wiesenfläche, die nicht gemäht wird beherrscht der seltene Teufelsabbiss. Im Hochsommer ist die Fläche von den blau-lila Blüten übersät und lockt vor allem Schmetterlinge an. Der Name hat abergläubischen Ursprung. Die Wurzeln sehen aus, als wären sie (vom Teufel) abgefressen. Alter Überlieferung nach wurde sie im Mittelalter gegen Fieber, eitrige Wunden und sogar gegen die Pest eingesetzt.

Foto: Michael Schöne

Da es am zweiten Tag anfangs leicht regnete, hatten wir da mit der Tierbeobachtung weniger Glück. Die Pflanzen waren trotzdem zu erfassen und als im 2. Durchgang sogar die Sonne durchkam, wurde auch die Stimmung besser. Den aufkommenden Wind haben wir da nicht so lästig empfunden. Doch hier ist uns unsere Heilpflanze Johanniskraut zum großen Glücksbringer, vielleicht sogar Lebensretter geworden.

Wir haben diesmal eine andere Schneise im Wiesengelände gewählt um auch die Lärche als Nadelbaum genauer zu kennzeichnen. Ich wollte den Schülern auch die Möglichkeit geben, für ihre Sammlung, die am Zweig verbleibenden Zapfen zu sammeln. Eine mächtige Lärche, die sich in ca. 8 Metern Höhe in 2 Stämme teilt. Von dort aus haben wir auch die Besonderheit der Teufelsabbiss-Wiese erklärt. Ich hatte schon im Plan mit der Gruppe weiterzugehen, sah aber ein Exemplar eben jener Heilpflanze mit noch schönen gelben Blüten. So rief ich die Gruppe nochmals zusammen. Mitten in meinen Erklärungen gab es ein ohrenbetäubendes Krachen, einen dumpfen Knall. Die Hälfte dieser mächtigen Lärche war soeben neben uns in Sekundenschnelle zu Boden gegangen. Wir standen wie versteinert da! Dann haben wir erstmal genügend Abstand zum Rest des Baumes gesucht. Unser Glück war die Heilpflanze, denn sonst wären wir genau dort gewesen, wo der mächtige Baum niederging und die Krone einer Coloradotanne gleich noch mit gebrochen hat. Es ist kaum vorstellbar, dass 2 Lehrer und die 11 Schüler dort zu Schaden gekommen und vielleicht sogar erschlagen worden wären!

Ich denke die Gruppe wird dieses Ereignis immer mit der sonst so schönen Naturschutzstation Herrenhaide verbinden! Mir kommt jetzt am Abend dieses Tages das Erlebte noch ungeheuerlich vor und mir kommen visionäre Bilder, wie uns THW oder Feuerwehr aus dem Gewirr der Äste und unter dem Stamm heraussägen muss. Doch hatten wir eben einen kleinen Retter aber auch wie man so sagt, einen großen Schutzengel!

Konrad Schmidt