Mitarbeit am sächsischen Florenatlas



Im Jahr 2000 konnte das Manuskript für ein über 800 Seiten starkes Werk zum Abschluss gebracht werden, das die systematische floristische Arbeit eines ganzen Jahrhunderts in Sachsen konzentriert. In siebenjähriger Arbeit gelang es nicht nur, die aktuelle sächsische Flora zu erfassen, sondern auch wesentliche Anteile der in den letzten Jahrzehnten gesammelten Fundortdaten seltener Arten zusammenzutragen.
Auf diese Weise entstand eine Datenbank mit insgesamt rund 1,5 Millionen Einzelangaben. Der enorme Arbeitsaufwand konnte nur mit Hilfe modernster Technik bewältigt werden. Durch die Verwendung computerlesbarer Geländelisten und einer halbautomatischen Erstellung von Verbreitungskarten war dies erst jetzt in so kurzer Zeit möglich.

Das Projekt „Florenatlas“ wurde Ende 1993 von der Arbeitsgemeinschaft Sächsischer Botaniker im Landesverein Sächsischer Heimatschutz ins Leben gerufen. Unter Leitung von Prof. Dr. Hans-Jürgen Hardtke und unter Mitwirkung mehrerer hauptamtlicher Mitarbeiter konnte ein Überblick über die sächsische Pflanzenwelt erarbeitet werden, den es in diesem Umfang im Freistaat noch nicht gegeben hat.
Dieser Erfolg des Projektes ist in erster Linie den rund 250 ehrenamtlichen Helfern – darunter vielen Mitgliedern der Dresdner NABU-Fachgruppe Geobotanik des Elbhügellandes – zu verdanken, die über mehrere Jahre das Land Sachsen nahezu lückenlos nach Pflanzenarten durchstöbert, bestehende Naturschutzgebiete und Flächennaturdenkmale untersucht und teilweise metergenaue Angaben seltener Arten zusammengetragen haben. Wesentliche finanzielle Unterstützung lieferte dabei der Freistaat Sachsen unter fachlicher Hilfe des Landesamtes für Umwelt und Geologie.

brombeeren
Brombeeren
Foto: Werner Klauke


Der nun vorliegende Atlas der Farn- und Samenpflanzen Sachsens liefert Verbreitungsbilder für die im Freistaat vorkommenden Arten sowie für viele Kleinarten und ausgewählte Unterarten in einer viermal höheren Auflösung. Auch schwierige Artengruppen konnten mit Hilfe sächsischer Experten bearbeitet werden. So finden sich beispielsweise zu den Brombeeren 64 Verbreitungskarten unterschiedlicher Arten. Das Gänseblümchen ist genauso vertreten wie das seit langem ausgestorbene Federgras.
Die während der Kartierarbeiten erhobenen Daten dienen den Naturschutzverwaltungen als wichtige Grundlage für ihre tägliche Arbeit. Angaben über das Vorkommen seltener Arten können künftig in Artenschutzprogramme einfließen und haben bereits die Kenntnisse über die Ausstattung sächsischer Naturschutzgebiete entscheidend erweitert. Über erläuternde Texte zu jeder dargestellten Pflanzensippe lassen sich dem Atlas auch ökologische und Naturschutzinformationen, zum Beispiel zu Lebensräumen, Bestandsentwicklung oder Gefährdungsursachen, entnehmen.

Im Rahmen des Projektes gab es viele überraschende Ergebnisse. So konnte die Sand-Binse während der Kartierungen nicht mehr gefunden werden und ist möglicherweise bereits ausgestorben. Andere Arten wie der Lungen-Enzian, der in nördlichen Teilen Sachsens einst recht häufig war, sind offenbar nur noch an wenigen früheren Fundorten vorhanden. Andererseits haben an- dere Arten wie die Sand-Strohblume neue Lebensräume besiedeln können. Im Fall dieses hübschen Korbblütlers liegen die meisten Vorkommen inzwischen in der Braunkohlenlandschaft mit ihren offenen, trockenen und relativ nährstoffarmen Böden.

Überraschend war auch der Nachweis neuer Arten für Sachsen. So konnte das Schmalblättrige Greiskraut, das erst 1993 nach Sachsen eingewandert ist, in wenigen Jahren alle Landesteile erobern und ist im Atlas bereits mit 64 Punkten vertreten. Die genannten Beispiele zeigen, dass die sächsische Botanik keineswegs am Ziel ihrer Arbeit angelangt ist. Der Florenatlas macht deutlich, wie stark sich die Pflanzenwelt Sachsens verändert. Auch in den nächsten Jahren wird der Bestand vieler schon jetzt seltener Arten weiter zurückgehen und andere Arten neu in Sachsen auftauchen. Dieser stete Florenwandel erfordert eine kontinuierliche Beobachtung der sächsischen Flora als unerlässliche Grundlage für einen effektiven Naturschutz.