Biotopverbund – in ausgeräumte Landschaft kehrt Leben zurück



1989 begann die Ortsgruppe Pausa mit der Verwirklichung eines ehrgeizigen Zieles: Die mittlerweile stark ausgeräumte Agrarflur im Umfeld von Pausa sollte durch Neuanpflanzungen wieder belebt werden. Bis in die frühen 70er Jahre hinein hatte hier im Wesentlichen kleinbäuerliche Wirtschaftsweise vorgeherrscht; Anbaustrukturen, Feldaufteilung und Technik ließen Wegraine, Bachläufe, Hecken und Feldgehölze unbehelligt als Lebensraum wirken. Mit der Zusammenlegung aller Ackerfluren und Wiesen änderte sich das grundlegend. 80 bis 90 Prozent aller Heckenstrukturen verschwanden, Teiche wurden verkippt, Bäche begradigt und Feuchtwiesen entwässert.

Die Gruppenmitglieder nahmen sich vor, an ungenutzten geeigneten Stellen wieder Gehölze zu etablieren – die zunächst einfachste und billigste Form der Renaturierung. Von den Anfängen bis heute gelingt dies jedoch nur in vielen kleinen Schritten, da die mangelnde Bereitschaft der Eigentümer und die ökonomischen Zwänge, denen die Agrarunternehmen ausgesetzt sind, nach wie vor die Umnutzung landwirtschaftlicher Nutzfläche für gliedernde Landschaftselemente sehr stark einschränken.

Zunächst stellte der staatliche Forstwirtschaftsbetrieb 1989 ohne jeglichen Finanzanspruch fünfzig Bäumchen zur Verfügung, die von der Gruppe, gemeinsam mit Schülern, auf 500 Meter Länge entlang von Straßen- und Wegrändern gepflanzt wurden. In Einzelaktionen von Mitgliedern entstanden eine etwa 60 Meter lange Hecke an einem Wegrand und zwischen einer Brachfläche und Intensivgründland eine Abgrenzung mit Bäumen. Letzteres ergab sich aus folgendem Grund. 1983 war ein Beregnungsteich angelegt und zu diesem Zweck der umliegende Oberboden zur Dammverfestigung abgeschoben worden. Seitdem lagen diese Rohbodenflächen brach. Um eine Rückführung in landwirtschaftliche Nutzfläche zu verhindern, pflanzte die Gruppe in einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ um diese Brache herum Bäume, die bis heute als Nutzungsgrenze akzeptiert werden. Um entlang eines Viehtriebes und Wirtschaftsweges eine Heckenpflanzung anlegen zu können, bedurfte es seitens der Gruppe sehr großer Überredungskünste bei den Landwirten, und infolge einiger Absagen wurde diese Hecke auch entsprechend lückenhaft.

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Fotos: © OG Pausa

In den darauffolgenden Jahren wurde das entstehende Biotopverbundsystem alljährlich um Hecken, Baumreihen, Benjeshecken, eine Streuobstwiese oder Alleen an Feldwegen ergänzt. Zum Teil fand sich geeignetes Pflanzgut in der Natur, zum Teil konnten Fördermittel oder auch Mittel aus einer naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahme in Anspruch genommen werden. Tatkräftig unterstützt wurde die Gruppe vor allem von der Arbeitsloseninitiative „Aktion 55“.

Mittlerweile wurden insgesamt 2.300 Meter Hecke, 2.400 Meter Baumreihen an Feldwegen, eine 8.000 m² große Streuobstwiese, zwei Feldgehölze in einer Gesamtgröße von 4.200 m² und 6 Solitärbäume inmitten der Feldflur von der Ortsgruppe Pausa angelegt.

Ihr Ziel ist es, weiterhin jede sich bietende Gelegenheit zur sinnvollen Anlage von Hecken, Obstwiesen und Baumreihen zu nutzen und den Biotopverbund zu vervollständigen. Dies geschieht allerdings alles in ähnlich kleinen Schritten wie bisher, ein Ende dieser Aktion ist nicht absehbar. Doch all diese Elemente der über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft müssen zu ihrer Erhaltung und Entwicklung gepflegt werden. Deshalb ist die Gruppe dankbar für die gute Zusammenarbeit mit der Arbeitsloseninitiative Sachsen e. V.

Goldammer, Rebhuhn, Neuntöter, Mauswiesel und andere nutzen bereits die neu entstandenen Biotope zur Reproduktion. Ziehende Kleinvögel finden in den Hecken Rast- und Nahrungsplätze. Nicht zuletzt werden diese Elemente der Kulturlandschaft von vielen Bewohnern der Orte als äußerst wohltuend empfunden.