Zukunftsprojekt Weißstorch Wallengrün



Der Weißstorchbrutplatz in Wallengrün hat eine lange Tradition. Schon seit 1962 brütet hier Adebar regelmäßig und erfolgreich. Als Leitart spielt der Weißstorch eine wichtige Rolle in unserer Naturschutzarbeit. Er ist nicht nur Sympathieträger, sondern steht auch für eine intakte Umwelt.
Von Anfang an beschäftigten wir uns deshalb mit dem Brutplatz in Wallengrün. So werden jährlich von uns die Daten über Ankunft, Bruterfolg und Abflug notiert, und die Presse berichtet gern über die Ereignisse am Nest. Aber das reicht in Zeiten von Flächenverbrauch und Landschaftsintensivierung nicht aus. So entstand die Idee, dem Weißstorchbrutpaar in Wallengrün aktiv zu helfen, was das Sammeln von wichtigen Daten voraussetzt. Mit freundlicher Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt konnten unsere Vorhaben im Jahr 2006 gestartet werden.

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Fotos: © OG Pausa, S. Ziebolsky

Schöne Aussicht – Brutplatz in luftiger Höhe

Das Nest befindet sich auf einer 22 Meter hohen stillgelegten Mühlenesse im Ortsteil Wallengrün der Stadt Pausa. Der kleine Ort liegt direkt im Weidatal in einer Höhe von etwa 400 Metern über NN. Da Störche vor Brutbeginn ihr Nest ständig ausbauen, nimmt es von Jahr zu Jahr an Größe zu. Das Wallengrüner Nest wuchs so in 30 Jahren auf 3 Meter Höhe und einen Durchmesser von 2,50 Metern an und drohte abzustürzen. Aus diesem Grund sanierten wir mit Hilfe der Feuerwehr Pausa das Nest, wobei die obersten Schichten abgetragen wurden. Aber nicht nur Adebar brütet in dem Nest: Als Untermieter brüten hier auch Feldsperlinge und Bachstelzen.

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Blick auf die Mühlenesse.

Wiesen, Gewässer und Felder – Nahrungsflächen

Der Bruterfolg hängt hauptsächlich davon ab, ob das Storchpaar genügend Futter für sich und seine Jungen in der näheren Umgebung findet. Unsere Nahrungsflächenkartierung zeigte, dass in einem Umkreis von fünf Kilometern um das Nest fast nur Wiesen, Weiden und Gewässer im Weidatal und an Nebenbächen von den Störchen genutzt wurden. Die Hälfte aller Flächen lag dabei in einer maximalen Entfernung von einem Kilometer. Weidatal Wallengrün, Pausaer Weide, Ranspe-Quellgebiet Ranspach und Peintenbachtal Unterpirk wurden dabei als wichtigste Nahrungsgebiete festgestellt. Schwerpunkt unserer Bemühungen muss es also sein, die vorhandenen Feuchtwiesen und Gewässer zu erhalten und neue Biotope zur Nahrungssuche zu schaffen. Diese kommen nämlich nicht nur dem Weißstorch zugute, sondern werden zum Beispiel auch von Rotmilan, Schwarzstorch, Neuntöter, Braunkehlchen, Wachtel, Eisvogel, Wasseramsel und Gebirgsstelze zur Nahrungssuche oder als Brutplatz genutzt. Als erste Initiative zur Biotopneuschaffung legten wir im Jahr 2005 zwei Kleingewässer auf Grundstücken eines Gruppenmitgliedes an. Weiterhin führen wir Gespräche mit Flureigentümern, um Flächen für den Weißstorch zu verbessern und zu erwerben.

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Das Teichgebiet Pausaer Weide – eine wichtige Nahrungsfläche.

Achtung Stromschlag! – Gefährliche Freileitungen

Mindestens 7 Weißstörche aus Wallengrün und ein Schwarzstorch sind seit 1962 nachweislich an Freileitungen in der Umgebung tödlich verunglückt. Die tatsächliche Zahl liegt wohl deutlich höher, da nicht jeder Unfall bemerkt oder notiert wurde. Dabei trifft es fast immer die unerfahrenen und noch beim Flug unsicheren Jungvögel. Schuld daran sind hauptsächlich Freileitungsmasten und Trafostationen. In der Umgebung von Pausa zum Beispiel sind alle Mittelspannungsmasten in der sehr gefährlichen Ständerbauweise aufgestellt worden. Diese wurden in den vergangenen Jahren zum Teil durch Schutzkappen aus Plaste gesichert, aber noch immer sind viele ungeschützt. Mit der Kartierung dieser „Vogelfallen“ wollen wir auf diesen Missstand hinweisen und die betreffenden Energieanbieter zur Behebung der Mängel bewegen. Dies rettet nicht nur Störche, sondern auch im Gebiet brütende Rotmilane, Mäusebussarde und Kolkraben.

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Mittelspannungsmast in gefährlicher Ständerbauweise.
Fotos: OG Pausa